Aufruf zur Gründung eines bundesweiten Netzwerks von Hochschulinitiativen

Aufruf zur Vernetzung akademischer Hochschulbeschäftigter | Endlich kollektiv handlungsfähig werden

An den Hochschulen, und besonders im Mittelbau und beim „Nachwuchs“ rumort es. Zurecht: Befristung, Flexibilisierung und Lohndumping sorgen für existenzielle Unsicherheit bei wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen, Lehrbeauftragten, Privatdozent*innen, wissenschaftlichen Hilfskräften, studentischen Beschäftigten und Studierenden. Doch die existierenden Mittelbau-Hochschulinitiativen arbeiten isoliert voneinander. Um kollektiv und bundesweit handlungsfähig zu sein, fehlt eine Struktur, die Fachgesellschaftskampagnen, Mittelbauinitiativen, studentische Beschäftigte und Akteure aktueller lokaler Auseinandersetzungen vernetzt.

Das soll sich ändern. Weiterlesen

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Streik an Britischen Universitäten

Gegen Kommerzialisierung und für mehr Lohn

Der Frust unter britischen Hochschullehrer_innen ist groß. Zwar sind die Arbeitsverhältnisse, vor allem im Mittelbau, wo es in der Regel unbefristete Verträge gibt, traditionell viel besser als an deutschen Unis. Doch seit Jahren schreitet die Kommerzialisierung der Lehre voran, in der Studienplätze zu Höchstpreisen verkauft werden. Um am Markt zu bestehen, müssen die Unis in den Rankings gut abschneiden. Dazu sind wie hierzulande Dritt-Mitteleinwerbungen, Lehrevaluation und Veröffentlichungen ausschlaggebend. Die Uni-Leitungen geben den kommerziellen Druck an die Hochschullehrer_innen weiter, oft unter Androhung von ‚Performance Management’ oder sogenannten ‚teaching only contracts’, also Lehrknecht-Verträgen für diejenigen, die nicht die eingeforderten Forschungsleistungen erbringen.

Dabei gibt es einen in Deutschland eher unbekannten, klaren Antagonismus zwischen Hochschullehrer_innen und Uni-Leitung: Professor_innen, Mittelbau und Promovierende stehen zusammen gegen das Management der Uni. In diesem Zusammenhang ist auch der gegenwärtige Streik zu verstehen. 60.000 Hochschullehrer_innen sind am 25. Mai in Streik getreten. Es geht in erster Linie um Lohn: seit Jahren haben die Tarifabschlüsse unter der Inflationsrate gelegen. Im Ergebnis sind die Reallöhne seit 2009 um 14,5% gesunken.

Dabei wurden 2011 die Studiengebühren in Großbritannien auf bis zu 9000 Pfund (12.000 Euro) im Jahr erhöht, und den Unis geht es entsprechend blendend. Doch der Geldsegen kam vor allem den Unileitungen zu Gute: Die Präsidenten der britischen Hochschulen verdienen in Durchschnitt über 260.000 Pfund (340.000 Euro) in Jahr. Im letzten Jahr stiegen die Gehälter hier um 5,1%. Ganz oben steht übrigens der Chef der eher unbekannten Nottingham Trent University: er verdient 636.000 Pfund (840.000 Euro) im Jahr. Zum Vergleich: Der britische Premierminister bezieht ein Gehalt von 142.500 Pfund (190.000 Euro). Auch andere Top-Manager an den Unis verdienen oft 6-stellige Beträge.

Deswegen fordern die Mitglieder der University and College Union (UCU) nun einen Tarifabschluss von mindestens 5%, sowie ein Ende von befristeten und prekären Arbeitsverhältnissen, die auch in Großbritannien in immer größerem Umfang festzustellen sind. Weiterhin verlangt UCU ein Ende des ‚gender pay gap’, also der Tatsache dass Frauen in gleichen Jobs weniger verdienen als Männer. Die Arbeitgeber bieten bisher 1,1 %,  und geben in den anderen Punkten Absichtserklärungen ab, was von UCU als unzureichend zurückgewiesen wurde.

Streiken! Aber wie?

Zwei Tage sind Mitglieder der UCU nun zunächst im Ausstand, danach wird unbefristet ‘nur nach Vertrag’ gearbeitet. Bei dieser Streikmethode arbeiten die Beschäftigen nur so lange wie im Vertrag vorgesehen, und verweigern jegliche Überstunden, Einspringen im Krankenfall oder andere flexible Leistungen.

Streiks im Hochschulbereich sind eine taktische Herausforderung, weil es wenige wirklich machtvolle Hebel zur Unterbrechung des Betriebes gibt. Die Unileitungen stört es so wenig, wenn eine oder zwei Vorlesungen ausfallen. Bei der Forschung wird die Arbeit in der Regel ohnehin einfach auf die Zeit nach dem Streik verlagert.

Ein neuer Hebel wird bei diesem Streik versucht: die Mitglieder sind aufgefordert, ihre Rollen als externe Gutachter für andere Unis zu kündigen. Erste Zahlen zeigen eine sehr hohe Beteiligung. Externe Gutachter stellen die Qualität der Lehre in einer Art peer review der Module und Programme sicher. Auch Prüfungsfragen und die korrigierten Arbeiten sowie das Feedback werden dabei geprüft. Dieser Prozess stellt einen zentralen Teil der Qualitätskontrolle in der Hochschullehre dar. Die Kündigung dieser hauptsächlich ehrenamtlich (es werden nur Aufwandsentschädigungen gezahlt) betriebenen Rollen kann daher durchaus den Betrieb der Hochschulen ernsthaft behindern.

Ein weiteres Mittel ist das Verweigern der Ausgabe von Scheinen und Noten, im radikalen Fall sogar das Verweigern des Abzeichnens von Abschlusszeugnissen. Dies geht zwar leider zu Lasten der Studierenden, die dann zum Beispiel Schwierigkeiten bei ihren Bewerbungen bekommen. Es hat sich aber gezeigt, dass solche Maßnahmen die Unileitungen zu größerer Kompromissbereitschaft zwingen, denn die normalerweise resultierende Wut der Studierenden (und ihrer Eltern) richtet sich durchaus auch gegen die Unis.

Besondern erfreulich bei dem augenblicklichen Streik ist, dass es derzeit auch bei den technischen Mitarbeiter_innen und Verwaltungsangestellten in den Unis zu Abstimmungen über Arbeitskämpfe kommt. Sollten die Gewerkschafts Mitglieder in diesen Arbeitsbereichen dafür stimmen, könnten sich die Streiks an den britischen Hochschulen in diesem Sommer durchaus noch ausweiten.

Soziolog_innen bloggen über Prekarisisierung in der Wissenschaft

Die Initiative „Für gute Arbeit in der Wissenschaft“ von Soziolog_innen in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) bloggt in den Monaten Mai und Juni auf dem „Sozblog“ der DGS zur Krise der Hochschule, Prekarisierung in der Wissenschaft, Demokratisierung der Fachgesellschaften und vielem mehr.

Den Auftakt bildet heute Teil 1 eines dreiteiligen Textes von Peter Ullrich (TU Berlin) mit dem Titel:

Prekäre Wissensarbeit im akademischen Kapitalismus. Strukturen, Subjektivitäten und Organisierungsansätze in Mittelbau und Fachgesellschaften

Alle drei, vier Tage kommen dann andere Beiträge von Mitgliedern der Initiative, Redner_innen der Konferenz „Soziologie als Beruf“ u.a.

Viel Spaß beim Lesen und diskutieren!

Auch exzellente Frauen verlangen Anerkennung

Aus dem aktuellen GEW-Newsletter:

„Marbacher Manifest“ für Quotierung der „Wanka-Milliarde“

Unterdessen haben sich 20 Wissenschaftlerinnen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften mit dem „Marbacher Manifest“ in die Debatte um die Ausgestaltung des Bund-Länder-Programms für den wissenschaftlichen Nachwuchs eingeschaltet. Die Wissenschaftlerinnen, allesamt Stipendiatinnen der Robert-Bosch-Stiftung, treten für „dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse und Stellen diesseits der Professur (etwa Lecturer-Stellen)“ sowie die „Verstetigung bereits bestehender Juniorprofessuren und Ratsstellen“ ein. Weiter fordern sie eine „gerechte und gleichstellungsorientierte Vergabe der Tenure-Track-Professuren“, die im Rahmen des Bund-Länder-Programms vorgesehen sind – über eine Fächerquote sowie „eine gleichstellungsorientierte Verteilung, die sich an den Zahlen promovierter Männer und Frauen orientiert“. Weiter machen sich die Wissenschaftlerinnen für eine „Entschleunigung des Karrieresystems an den deutschen Hochschulen, die den veränderten Lebens- und Familienmodellen von Frauen und Männern Rechnung trägt“, stark.

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Honorare in Bildungs- und Wissenschaftsbetrieb oft unterhalb des Mindestlohns

Unser Berliner Netzwerk „Prekäres Wissen“ hat eine Übersicht über übliche Honorare im Bildungs- und Wissenschaftsbetrieb veröffentlicht. Dazu sammelten wir über 60 typische Beispiele von Honoraren, die von Bildungsträgern und wissenschaftlichen Institutionen in den letzten Jahren gezahlt wurden. Die Initiative erhob zudem, wie viel, oft unbezahlter, tatsächlicher Arbeitsaufwand hinter den jeweiligen Aufträgen steckt und ermittelte so neben dem offiziellen Honorar den tatsächlichen Brutto-Stundenlohn der meist freiberuflich Tätigen. In über zwanzig Fällen lag dieser tatsächliche Stundelohn unter dem Mindestlohn von 8,50 €. Manche Tätigkeiten, beispielsweise Lehraufträge an Universitäten, insbesondere die Titellehre von PrivatdozentInnen, werden überhaupt nicht vergütet. Die verschiedenen aufgeführten Beispiele für Tätigkeitsbereiche und -arten stammen von Universitäten, freien Bildungsträgern, Museen, Volkshochschulen u.a.

Wir erhoffen und von der Veröffentlichung eine breite öffentliche Diskussion über die Arbeitsbedingungen von FreiberuflerInnen im Bildung- und Wissenschaftsbetrieb.

Ausführliche Informationen, Erläuterungen und Tabellen zum Vergleich bezahlter und tatsächlich geleisteter Arbeitszeit auf der entsprechenden Seite.

Prekär statt fair? GEW- Fachtag zu Prekarität

Fachtag „Prekär statt fair?
Arbeitsperspektiven in der Kita, Schule, Hochschule und Weiterbildung“am Samstag, den 6. Juni 2015, in Hannover

An diesem Tag wollen wir mit euch über die zunehmend prekären Beschäftigungsverhältnisse im
Bildungs- und Wissenschaftsbereich ins Gespräch kommen.
Nach dem Auftakt-Vortrag des Soziologen Prof. Klaus Dörre zum Thema
„Prekarität und die Krise des Sozialen“ folgt ein Input von Dr. Andreas
Keller (Stellvertretender Vorsitzender der GEW) zum Thema „Prekäre
Beschäftigung im Bildungsbereich“. In der zweiten Tageshälfte gibt es
Workshop-Angebote rund ums Thema „Arbeits- und Lebensbedingungen von
Bildungsarbeiter/innen & Handlungsperspektiven“.

Das Programm mit weiteren Informationen kann unter folgendem Link abgerufen werden:

http://www.gew-nds.de/images/files/veranstaltungen/GEW-Tagung_prekaere_Beschaeftigungsverhaeltnisse_im_Bildungswesen.pdf

Verschlechterte Arbeitsbedingungen von Guides in der Gedenkstätte Sachsenhausen

Führungen in der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen sind beliebt und Teils des Bildungsangebots am historischen Ort. Angeboten werden sie von ungefähr 30 Guides, die bisher einen festen Arbeitsvertrag hatten. Überwiegend sind es Studierende, die diesem Job nachgehen. Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten hat nun die Arbeitsbedingungen geändert. Fortan soll nicht mehr stundenweise, sondern pauschal gezahlt werden. Die Höhe der Pauschale beträgt 70 Euro, unabhängig davon, in welcher Sprache sie durchgeführt wird. Darüber hinaus werden die Guides nicht mehr angestellt, sondern sollen als Selbständige arbeiten. Die Versicherung und Versteuerung erfolgt dementsprechend individuell und muss über die gezahlte Pauschale erfolgen.

Mehr dazu in der Märkischen Allgemeinen Zeitung.